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Genuss in Maßen. Kenn dein Limit.
Hundertdreißig Jahre, fünf Namen, ein Buch. Jeder Schritt ist historisch möglich, und genau deshalb erzählen wir ihn.

Wilkes County, North Carolina. Undatiert, vermutlich 1905. Angus MacDougall steht rechts im Bild.
Kleinbauer am Reddies River. Ab 1887 brennt er aus eigenem Mais, weil sich Mais als Schnaps besser verkauft als Mais als Mais. Das Jahr steht bis heute auf jedem Etikett.
Rezepte waren in Wilkes County nie geheim. Geheim war der Weg vom Hollow in die Stadt, und der wurde nachts gefahren, mit verstärkten Federn und ohne Licht. „Wir waren nie die besten Brenner. Wir waren die besten Fahrer.“
1945 mit der US-Armee nach Deutschland, 1948/49 Ladungsmeister in Tempelhof während der Luftbrücke. Er bleibt. Er heiratet Gerda Zscheile, deren Familie in Lübbenau eine Gurkeneinlegerei hatte. 1954 brennt er im Kreuzberger Hinterhof den ersten Berlin Batch: vierzig Liter, aus einem umgebauten Milchkessel.
1991 kauft er die alte Einlegerei seiner Großmutter über die Treuhand zurück. 1994 bekommt diese Familie zum ersten Mal ein legales Brennrecht. Er hätte in Berlin bleiben können und ist in den Spreewald gegangen, weil das Wasser hier weich ist und kaum Eisen trägt.
Übernimmt 2016 als erste Frau dieser Familie den Kessel. 2019 die Mason-Jar-Linie, 2021 die Gurkn Bombz. „Mein Urgroßvater ist für dieses Rezept gesessen. Ich zahle dafür Steuern. Nennt sich Fortschritt.“
Angefangen 1887 in Wilkes County. Weitergeführt in einem Kreuzberger Hinterhof. Heute liegt es in einer alten Gurkeneinlegerei bei Lübbenau.
Für jeden Ansatz stehen drei Werte drin: Vorlaufmenge, Temperatur beim Ansetzen des Mittellaufs, Temperatur beim Schnitt. Über vier Handschriften hinweg bewegen sich diese Zahlen um weniger als ein Grad.
Trotzdem steht am Kessel jemand und riecht. Die Zahl sagt, wann man hinschauen muss. Entschieden wird mit der Nase.
Erste Frau in dieser Familie am Kessel. Übernommen 2016, seitdem vier Ansätze im Monat, jeder von Hand abgefüllt und auf dem Deckel nummeriert.
„Ich bin die Erste hier, die dafür keine Strafe zu befürchten hat. Das ist bis heute ein komisches Gefühl.“
Keira MacDougall, Gründerin und Head Distiller